Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen.
 
 

Interview: Wunschgroßeltern im Einsatz

29 Wunschgroßeltern unterstützen aktuell Familien im Landkreis, die keine Großeltern vor Ort haben. Wie auch Oskar Grimm (66) aus Nennslingen. Er ist seit eineinhalb Jahren als Wunschopa bei Familie Schneider im Einsatz, die mit ihren beiden Kindern seit zwei Jahren in Raitenbuch wohnt. Kollegin Karina Milles, die Koordinatorin der Wunschgroßeltern in Altmühlfranken, hat Karolin Schneider und Oskar Grimm zum Interview getroffen.

Frau Schneider, wie kamen Sie auf die Idee, sich bei den Wunschgroßeltern zu melden?

Karolin Schneider: Wir sind vor zwei Jahren hierhergezogen. Da habe ich dann einige Male etwas über das Projekt gelesen und mir gedacht, Mensch so etwas wäre für uns richtig gut, weil die Großeltern eben weiter weg sind und wir hier auch noch nicht viele Bekannte oder Freunde hatten. So habe ich entschieden, mich zu melden. Vorher habe ich noch mit meinem Mann gesprochen, ob er auch einverstanden wäre, aber hauptsächlich ist es aktuell eine Entlastung für mich. Dann habe ich mich im September gemeldet.“

 

Jetzt ist es ja für viele eine ungewöhnliche Idee, einen Wunschopa zu haben. Wie erging es Ihnen damit, einen erstmal fremden Menschen in ihre Familie zu lassen?

Karolin Schneider: Also ich würde sagen, wir sind beide eher grundsätzlich offen und haben Lust, Leute kennenzulernen. Wenn man irgendwo hinzieht, wo man niemanden kennt, dann muss man auch Lust haben, Leute kennenzulernen. Ansonsten bleibt man ja nur für sich. Aber das wollten wir nicht. Ich fand es auch gut, dass man dann auch lokal über Jemanden eine Anbindung bekommt. Natürlich muss man sich erstmal kennenlernen und schauen, wie es passt. Aber das ging gut. Durch meine Arbeit als Erzieherin und Kindheitspädagogin wusste ich auch, was ich dazu beitragen kann, dass das gut funktioniert.

Wo ich schon etwas Bauchschmerzen hatte, war wie die anderen Großeltern darauf reagieren. Also wie finden die das wohl. Aber wir haben uns dann entschieden, dass ziemlich gleich zu erzählen, als ich mich schon darum beworben hatte. Die erste Reaktion war schon ein bisschen verhalten, aber wir haben dann einfach immer erzählt, wie es so ist, dass der Oskar kommt, uns entlastet und auch mal spontan helfen kann. Jetzt ist es auch gut für sie.

 

Oskar Grimm: Ich kenn die meisten der Großeltern mittlerweile auch. Wie hat der Großvater bei einem Familienfest mal gesagt? Und kümmer‘ dich fei ja gscheit um meinen Enkel.

Beide lachen.

Karolin Schneider: Und so ist das jetzt schon eine Familienerweiterung. 

Und wie war das bei Ihnen, Herr Grimm? Wie war Ihr Weg zum Wunschopa?

Oskar Grimm: Bei mir war es ähnlich wie bei Familie Schneider. Ich habe es über die Zeitung erfahren. Ich habe selbst vier Enkelkinder. Einmal hat mich meine Schwiegertochter angerufen, die mit meinem Sohn in Schwäbisch Hall wohnt, ob ich nicht kommen kann, weil sie einen Arzttermin hat und niemanden für die Kinder. Dann habe ich gesagt „kein Problem ich komm, ich bin aber erst in zwei Stunden da“, aber da wäre dann der Termin schon herum gewesen. Und dann habe ich den Artikel in der Zeitung gelesen und mir gedacht, „So, da gibt es bei uns in der Gegend sicherlich auch Familien, die eine Oma oder einen Opa brauchen, da melde ich mich mal.“ Und dann habe ich den Glücksgriff mit der Familie Schneider bekommen.

 

Wie war denn das erste Kennenlernen?

Oskar Grimm: Na das erste Kennenlernen war wie immer, wenn man einen Fremden trifft. Zuerst muss man sich ein bisschen beschnuppern, vorstellen und schauen. Durch meine vorherige berufliche Tätigkeit im Außendienst kennt man die Menschen beim ersten Blick und dann habe ich gesagt „Ja das passt“. Von meiner Seite aus würde es passen, mal schauen, was sie sagen.

Karolin Schneider: Also mein erster Eindruck war „Der sieht nett aus, wie ein richtiger Wunschopa.“ Am Anfang war es, wie es eben so ist, noch ein bisschen steif, aber ich hatte gleich so den Eindruck, dass es von Oskars Seite aus eher unkompliziert ist etwas auszumachen, dass er Lust darauf und auch keine großen Berührungsängste hat. Joel war damals ja erst ein knappes Jahr alt. Da ist es ja schon etwas schwieriger ein Kind kennenzulernen, zu kommunizieren und sich zu verständigen, aber da meinte er „Das probieren wir einfach aus.“ Die ersten Treffen war der Oskar hier bei uns im Haus und ich war am Anfang auch mit dabei. Später bin ich dann mal eine halbe Stunde ins Büro oder die beiden sind spazieren gegangen. So haben wir es dann nach und nach gesteigert.

 

Oskar Grimm: Das war dann auch eine gewisse Sicherheit für mich, weil man weiß ja dann auch nicht wie er auf mich reagiert. Hätte er dann auf einmal das Fremdeln angefangen, hätte ich die Sicherheit gehabt, ich kann mal schnell klopfen. Aber das hat es bei ihm eigentlich nie gegeben.

 

Karolin Schneider: Und das sicherste Zeichen, dass der Joel sich wohl fühlt oder dass es ihm gefällt, war dann immer wenn der Oskar kam, dass er zur Tür gelaufen ist und sich gefreut hat.

 

Herr Grimm, jetzt sind Sie ja auch recht aktiv im Dorf und haben viele Hobbies und Interessen. Wieviel Zeit investieren Sie denn als Wunschopa? 

Oskar Grimm: Ganz unterschiedlich. Manchmal einmal in der Woche für zwei bis Stunden und je nachdem, wie der Bedarf ist. Es gibt auch Wochen, da ist er zwei, dreimal bei mir, das ist ganz unterschiedlich. Wir sind da beide sehr flexibel. Karolin sagt mir, wann sie mich braucht und ich sag dann „da passt es und da nicht.“ Das klappt gut bei uns.

 

Welches waren bisher die schönsten Momente als Wunschopa?

Oskar Grimm: Lacht. Jeder Tag. Ich freue mich jedes Mal wenn ich kommen darf oder wenn ich höre, er kommt zu mir. Morgen ist er zum Beispiel den ganzen Tag bei mir, da haben wir so viel zum Unternehmen, das ist einfach schön. Und das war bei meinen Kindern schon so oder wenn sie jetzt kommen. An den Tagen ist bei mir Feiertag. da tu ich nichts. Da mach ich das, was ihm gefällt. Es ist auch schön ihn immer besser kennenzulernen. Was gefällt ihm, was nicht. Also ich mag das einfach.

 

Frau Schneider, wann wussten Sie, dass sie bei dem Projekt richtig sind? 

Karolin Schneider: Ich würde sagen, nach den ersten Begegnungen zwischen Joel und Oskar. Als ich gemerkt habe, das passt. Es hat sich so gut entwickelt und ich habe gemerkt, wie Joel sich auf die Treffen freut.

 

Jetzt war ja das letzte Jahr durch die CoronaPandemie sehr herausfordernd. Wie sind Sie damit umgegangen und wie hat sich ihr Kontakt vielleicht verändert?

Karolin Schneider: Beim ersten Lockdown, als alles heruntergefahren war, hatten wir keinen persönlichen Kontakt. Beim zweiten Lockdown, als man sich zu Betreuungszwecken wieder treffen durfte, haben wir das auch genutzt. Da war ich mit meiner Tochter schwanger und da hat es auch einfach gutgetan. Auch da haben wir uns wieder abgestimmt. Der Oskar hat gesagt was für ihn passt und wir haben gesagt was für uns passt. Wir sind dann übereingekommen, dass wir uns weiter treffen.

 

Oskar Grimm: Beim ersten Treffen war ich dann erstmal wieder bei euch daheim, aber es hat sich nichts verändert. Es war gleich wieder wie vorher. Gell, Joel? Da haben wir nichts gemerkt, wir zwei, oder?“ Joel sitzt auf seinem Schoß und grinst.

 

Herr Grimm, was können Sie potenziellen Wunschgroßeltern raten, wenn Sie sich mit der Idee beschäftigen, selbst Wunschoma oder Wunschopa zu werden?

Oskar Grimm: Ich kann es einfach jedem nur empfehlen, der den Kontakt zu anderen Leuten und den Kontakt zu Kindern liebt. Gerade wenn man keine eigenen Enkelkinder hat oder sie, wie in meinem Fall, weiter weg wohnen. Wichtig ist, sich gut abzusprechen und sich in Ruhe kennenzulernen. Wenn das passt, ist es einfach das Optimale.

 

Karolin Schneider: Vielleicht ist es erstmal ein bisschen Überwindung. Wenn man etwas Neues anfängt, gehört es ja erstmal dazu, dass man schauen muss wie es einem damit geht. Aber, wenn man grundsätzlich Lust darauf hat, würde ich sagen, dass man es einfach mal ausprobieren sollte.“

 

Oskar Grimm: Ich hatte jetzt auch kein Problem damit, in ein fremdes Haus reinzugehen, aber ich weiß, dass das für einige nicht so einfach wäre. Mir persönlich macht es auch nicht nur Spaß, auf die Kinder aufzupassen, sondern hier hat man eine junge Familie, die sich auch beruflich weiterentwickeln möchte. Sie auf diesem Weg zu unterstützen, macht mir einfach Spaß. Das ist schön, das mache ich gerne. Ich helfe auch gerne. Wenn das jemand gerne macht und ich kann mir vorstellen, dass es da viele gibt, die sagen „ich helfe gerne“, dann sind sie da richtig.

 

Karolin Schneider: Die Region ist jetzt Joels Heimat. Wir Eltern kennen uns hier noch nicht so gut aus, aber Joel hat jetzt zu vielen Orten z.B. in Nennslingen schon einen Bezug, wo ich selbst noch nie war. Das finde ich auch wichtig, dass er die Region hier kennenlernt und das muss nicht alles über mich laufen.

 

Und welche Tipps haben Sie für Familien im Landkreis, die hier auch ohne Großeltern leben?

 

Karolin Schneider: Auf jeden Fall ein Netzwerk aufbauen, egal ob es mit Wunschgroßeltern, Nachbarn oder Bekannten ist. Weil allein als Insel das Familienleben zu stemmen, funktioniert nur bedingt, würde ich sagen. Ich finde es absolut wichtig und legitim, dass man sich durch andere Personen Unterstützung dazu holt, die einen ab und zu entlasten.

 

Vielen Dank für das interessante Interview!

Hinweis:
Mehr Informationen zum Projekt Wunschgroßeltern finden Sie hier.