Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen.
 
 

Aktuelle Wasserrechtsverfahren im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Beantragte Probebohrungen der Firma Altmühltaler in Treuchtlingen

Im Frühjahr 2022 hat die Firma Altmühltaler in Treuchtlingen die Erlaubnis für die Durchführung von zwei Probebohrungen beantragt. Das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen hat als zuständige Genehmigungsbehörde alle wichtigen Informationen zusammengefasst.

Das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen informiert darüber, dass derzeit das wasserrechtliche Verfahren für einen Antrag der Firma Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH für die Errichtung von zwei Versuchsbohrungen durchgeführt wird. Die von dem Unternehmen geplanten Bohrungen sollen Aufschluss darüber geben, ob in einem oberflächennahen Grundwasserstockwerk eine Mineralwassererschließung für den Standort Treuchtlingen möglich wäre.


Das Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach sowie die Stellungnahmen der Unteren Naturschutzbehörde, des Gesundheitsamtes, des Landesamtes für Umwelt und des Bergamtes Nordbayern liegen vor.

Die Feststellung zur allgemeinen Vorprüfung nach dem UVPG wurde im Amtsblatt Nr. 14 vom 09.04.2022 sowie auf dem UVP-Portal veröffentlicht. 

Zur endgültigen Entscheidung über den Antrag ist noch die Rückantwort des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung erforderlich.

Ein Antrag auf Errichtung von Förderbrunnen oder Entnahme von Grundwasser liegt derzeit nicht vor. 

Mit Datum vom 01.02.2022 hat die Fa. Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH beim Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen einen Antrag auf Erteilung einer beschränkten wasserrechtlichen Erlaubnis nach §§ 8 Abs. 1, 10 Abs. 1 und 15 Abs. 1 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) i.V.m. Art. 15 Abs. 1 Bayerisches Wassergesetz (BayWG) für die Niederbringung zweier Versuchsbohrungen und deren Ausbau zu Grundwassermessstellen zur Erkundung einer möglichen Ersatz-Mineralwassererschließung im Eisensandstein gestellt.

Vorausgegangen waren Gespräche des Landratsamtes Weißenburg – Gunzenhausen und des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach mit der Fa. Altmühltaler und den anderen betroffenen Wasserversorgern, die derzeit Wasserrechte für die Entnahme aus dem überdeckten Sandsteinkeuper (Tiefengrundwasser) haben. Da in diesem Grundwasserkörper Übernutzungstendenzen vorliegen, soll von allen Nutzern die Möglichkeit von Einsparungen und Alternativen zur Nutzung von Tiefengrundwasser geprüft werden. Das Sachgebiet Wasserrecht im Landratsamt ist diesbezüglich fortwährend im Austausch mit den Wasserversorgern. 

Die Bohrungen der Firma Altmühltaler sollen in über 100 m Tiefe erfolgen, demnach ist nach Nr. 13.4 der Anlage 1 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) für eine Tiefbohrung zum Zweck der Wasserversorgung eine allgemeine Vorprüfung des Einzelfalls erforderlich, weiterhin ist das Bergamt Nordbayern aufgrund der Tiefe der Bohrungen zu beteiligen.

Nach Eingang des Antrages wurden die entsprechenden Fachstellen (Wasserwirtschaftsamt Ansbach, Untere Naturschutzbehörde, Gesundheitsamt, Bergamt Nordbayern) um Stellungnahme gebeten.

Das Bergamt Nordbayern hat mit Datum vom 25.02.2022 mitgeteilt, dass gegen die Ausführung des Vorhabens nach den vorliegenden Unterlagen bergamtlich kein Einwand erhoben wird, wenn das Einvernehmen nach § 21 Standortauswahlgesetz vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung erteilt ist.

Daraufhin wurde mit Datum vom 28.02.2022 das Landesamt für Umwelt Bayern um Stellungnahme gebeten. Diese ging am 21.03.2022 ein (Das Vorhaben erfüllt aus Sicht des Geologischen Dienstes nach § 21 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und 4 StandAG die Zulassungsvoraussetzung.) und wurde entsprechend an das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung mit der Bitte um Erteilung des Einvernehmens weitergeleitet.

Die Stellungnahmen des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach, der Unteren Naturschutzbehörde und des Gesundheitsamtes zur allgemeinen Vorprüfung nach dem UVPG liegen vor. 

Das Gesundheitsamt hat mit Datum vom 17.03.2022 mitgeteilt, dass davon auszugehen ist, dass keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen für die umliegende Natur zu erwarten sind und demnach auf eine förmliche Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet werden kann.

Die Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde wurde mit Datum vom 29.03.2022 erstellt. Der Standort im Bereich der Flur-Nr. 494, Gemarkung Dietfurt ist aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde unproblematisch. Im Bereich der Flur-Nr. 1803, Gemarkung Treuchtlingen muss die Probebohrung außerhalb des Wurzelbereiches der vorhandenen Gehölze / Bäume erfolgen. Die Rodung von Gehölzen für die Durchführung der Probebohrung wird fachlich abgelehnt. Auch Schnittmaßnahmen an Gehölzen sind erst wieder ab 01.10. erlaubt. Der Standort für die Probebohrung ist daher im gehölzfreien Bereich des Grundstücks Flur-Nr. 1803 zu wählen.
Aus naturschutzfachlicher Sicht ist für die Errichtung der beiden Probebohrungen eine förmliche Umweltverträglichkeitsprüfung entbehrlich.

Das Wasserwirtschaftsamt nimmt zur allgemeinen Vorprüfung nach dem UVPG wie folgt Stellung: Bei den Bohrungen werden vorübergehend, bis zum fertigen Ausbau der Versuchsbohrungen als Messstelle das Grundwasservorkommen im Malmkarst aufgeschlossen und durch die vorgesehenen Zwischenpumpversuche beansprucht. Aufgrund der geringen Entnahmemengen und der beschränkten Dauer der Bohrungen, bei denen ein hydraulischer Kurzschluss zum tiefer gelegenen Eisensandstein bestehen wird, sind Beeinträchtigungen auf das Grundwasser, auf oberflächennahe Ökosysteme (Quellen, Feuchtbiotope, Auen, usw.) oder auf benachbarte Grundwassernutzer nicht zu erwarten.

Durch die Erschließung des Grundwasservorkommens im Eisensandstein sowie den vorgesehenen Entnahmen im Rahmen der geplanten Pumpversuche sowie dem Entsandungspumpen sind nachteilige Auswirkungen auf die o.g. Schutzgüter ausgeschlossen. Da keine nachteiligen Auswirkungen auf andere Schutzgüter zu erwarten sind, ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung entbehrlich.

Weiterhin liegt das Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach als allgemein amtlicher Sachverständiger zum Antrag vor.

Eine endgültige Prüfung des Antrages kann erst nach Rücklauf der Stellungnahme des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit erfolgen. 

Da es sich um ein Genehmigungsverfahren für eine beschränkte wasserrechtliche Erlaubnis handelt, ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung nach dem Gesetz nicht vorgesehen.

Eine Beteiligung der Stadt Treuchtlingen erfolgt im Verfahren nicht, da keine direkte Betroffenheit gegeben ist (eine Gewinnungsanlage der Stadt Treuchtlingen befindet sich nicht in unmittelbarer Nähe). Da jedoch eine Probebohrung auf einem städtischen Grundstück erfolgen soll, fand eine Abstimmung darüber im Treuchtlinger Stadtrat am 24. März 2022 statt. Die Zustimmung wurde erteilt. 

Die geplanten Bohrungen und Untersuchungen dienen der Erkundung von der Ergiebigkeit und der Qualität des Grundwassers im Eisensandstein für eine potentielle Nutzung für die Mineralwasserproduktion.

Es ist ein Zwischenpumpversuch im Bereich des Malms vorgesehen. Nach erfolgtem Ausbau der Versuchsbohrungen im Eisensandstein werden diese entsandet und klargepumpt. Anschließend wird jeweils ein Leistungspumpversuch über 500 Stunden mit drei Förderstufen und einer Fördermenge bis 6 l/s erfolgen um die hydraulischen Kenndaten zu ermitteln. Im Rahmen des Pumpversuches sollen hydrochemische Untersuchungen gemäß Eigenüberwachungsverordnung sowie gemäß Mineral- und Tafelwasserverordnung erfolgen.

Nach Fertigstellung der Bohrungen sind entsprechende Dokumentationen der Maßnahme mit einer Wertung der Ergebnisse der Kreisverwaltungsbehörde und dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach vorzulegen.

Im gesamten Zeitraum der geplanten Maßnahmen (Bohrung, Ausbau, Pumpversuche) sind zur Beweissicherung die Wasserstände der Brunnen Viersteinbrunnen (ZV Wettelsheimer Gruppe), Brunnen Schambach (Stadtwerke Treuchtlingen) sowie der Flachbrunnen FB 3 und FB 4 (Fa. Altmühltaler) kontinuierlich aufzuzeichnen. Die genannten aufgezeichneten Wasserstände sind in Hinblick auf Reaktionen auf die Bohr- und Pumpmaßnahmen auszuwerten. Zudem ist das oberflächennahe Grundwasser anhand der amtlichen Messstelle bei Dietfurt mit zu beobachten. Des Weiteren ist die Quellschüttung der Walkquelle (WZV Wettelsheimer Gruppe) über die bestehenden Messeinrichtungen zu messen und ebenfalls im Hinblick auf Reaktionen auf die Bohr- und Pumpmaßnahmen auszuwerten.

Bei erfolgreicher Erkundung durch die Versuchsbohrungen kann die Firma Altmühltaler die Errichtung von Förderbrunnen vorsehen, die in einem gesonderten Genehmigungsverfahren beurteilt werden.

Ein Antrag auf Entnahme des Wassers ist ebenfalls in einem weiteren Genehmigungsverfahren zu prüfen.

Bei beiden Genehmigungsverfahren sind erneut Stellungnahmen beteiligter Behörden (z.Bsp. Wasserwirtschaftsamt, Untere Naturschutzbehörde...) erforderlich. 

Informationen des Wasserwirtschaftsamtes

Das Wasserwirtschaftsamt in Ansbach ist die zuständige Fachbehörde in dem Verfahren. Alle wichtigen Informationen aus fachlicher Sicht finden Sie in der nachfolgenden Übersicht.

Das Landesamt für Umwelt Bayern (LfU) gibt auf seiner Homepage einen Überblick über Grundwasservorkommen:

Auf der LfU-Homepage ist der Eisensandstein nicht als wasserwirtschaftlich bedeutsames Grundwasservorkommen ausgewiesen. Er liegt im Hinblick auf die Schichtenfolge unterhalb des vom Landesamt für Umwelt wasserwirtschaftlich bedeutsamen Grundwasservorkommens „Weißer Jura, Karst“ und oberhalb des tiefer liegenden „Burg- und Blasensandstein“.

Der Eisensandstein liegt rund 140 m über der Oberkante des Sandsteinkeupers.

Ob der Eisensandstein als Tiefengrundwasser eingestuft wird, hängt davon ab, ob er von mächtigen geringdurchlässigen Deckschichten überlagert wird, eine sehr geringe Grundwasserneubildung hat und das Wasser am oberirdischen Wasserkreislauf kaum teilnimmt. Im Bereich Treuchtlingen steht der Eisensandstein teils offen, teils mit Überdeckung des Weißen Juras an, der nur durch einige Meter mergeligen und tonigen Schichten des obersten Doggers vom Eisensandstein getrennt wird. Welchen Charakter das Wasser an den Standorten der Probebohrungen haben wird und welches nutzbare Dargebot vorhanden ist, soll durch die Probebohrungen erkundet werden.

Bildung des Grundwassers

Grundwasser wird i.d.R. durch Versickerung von Niederschlagswasser stets neu gebildet und fließt dem Vorfluter (i.d.R. Oberflächengewässer) zu. Ein Teil des gebildeten Grundwassers (nutzbares Dargebot) kann nachhaltig genutzt werden. Das Grundwasservorkommen im überdeckten Sandsteinkeuper hat aufgrund der mächtigen Überdeckung nur eine sehr geringe Grundwasserneubildungsrate [l/s pro km²]. Im Eisensandstein am Standort der Probebohrungen ist aufgrund der geringeren Überdeckung mit einer höheren Grundwasserneubildungsrate (Regeneriervermögen) zu rechnen

Im überdeckten Sandsteinkeuper übersteigen die derzeitigen Entnahmen aller Nutzer das nutzbare Dargebot. Durch eine Verlagerung der Mineralwasserförderung in den Eisensandstein könnte ein Beitrag der Fa. Altmühltaler geleistet werden, der Übernutzung entgegenzuwirken.

1. Schritt: Versuchsbohrung

Durch die Versuchsbohrungen einschließlich der Pumpversuche und Wasseranalysen können die ersten Hinweise und Kenntnisse gewonnen werden, ob im Eisensandstein eine Wasserqualität vorliegt, die für die Mineralwassererzeugung geeignet ist. Weiterhin können über die Pumpversuche hydraulische Kenngrößen wie z. B. die Gebirgsdurchlässigkeit oder auch die spezifische Brunnenergiebigkeit ermittelt werden (Wie viel Wasser [l/s] kann bei welcher Brunnenabsenkung [m] gewonnen werden). Gesicherte Aussagen, ob und wieviel Wasser nachhaltig gewonnen werden könnte, sind daraus nicht ableitbar.

2. Schritt: Brunnenbohrung und Pumpversuche

Weisen die Untersuchungen auf eine günstige Mineralisation hin und zeigen die Pumpversuche aus den Versuchsbohrungen, dass an den Standorten eine ausreichend hohe spezifische Brunnenergiebigkeit besteht, kann nach einem weiteren gesonderten Wasserrechtsverfahren die Errichtung von Förderbrunnen sowie die Durchführung von Pumpversuchen erfolgen. Da aus diesen Pumpversuchen erste gesicherte Abschätzungen des gewinnbaren Dargebotes abgeleitet werden sollen, wären an die Pumpversuche entsprechende Anforderungen (Dauer, Entnahmeleistung, Beweissicherungsmaßnahmen, Wasseranalysen, Ermittlung des Einzugsgebietes für eine bestimmte Entnahmemenge) zu stellen.

 

3. Schritt: Wasserförderung

Je nach den Ergebnissen aus Schritt 2 könnte im Anschluss eine beschränkte wasserrechtliche Erlaubnis für einen Förderbetrieb erteilt werden, max. in der Größenordnung, die durch die Vorerkundungen (Versuchsbohrung, Pumpversuche, Analysen, Einzugsgebietsermittlung) bis dahin sicher belegt ist. Dafür wäre ein erneutes Genehmigungsverfahren erforderlich. 

Eine Beeinträchtigung des Grundwassers im seichten Karst ist nicht zu erwarten, dies wird ebenfalls durch die vorgesehenen Probebohrungen untersucht.

Die Firma Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH hat einen Antrag auf Erteilung einer beschränkten wasserrechtlichen Erlaubnis für die Niederbringung von zwei Versuchsbohrungen und deren Ausbau zu Grundwassermessstellen gestellt.

Die geplanten Bohrungen und Untersuchungen dienen der Erkundung von der Ergiebigkeit und der Qualität des Grundwassers im Eisensandstein für eine potentielle Nutzung für die Mineralwasserproduktion. Bei erfolgreicher Erkundung ist die Errichtung von Förderbrunnen und die Entnahme in einem gesonderten Genehmigungsverfahren zu prüfen.

Durch Auflagen und Nebenbestimmungen könnten Regelungen getroffen werden, wenn das Dargebot überschätzt worden wäre und deshalb die Entnahme reduziert werden müsste.

Weitere Informationen

Nachfolgend erhalten Sie weitere Informationen, die im Zusammenhang mit dem Verfahren interessant sind. 

Die Stadtwerke Treuchtlingen bezogen im Jahr 2021 gesamt 602.936 m³ Trinkwasser. Der Anteil des Bezuges aus der Fernwasserleitung der WFW betrug 512.301 m³.

Die Fa. Altmühltaler nutzt derzeit die folgenden Brunnen: 

Bezeichnung

Tiefengrund-

wasser

Bewilligte Ent-

nahmemenge

Entnahmemenge 2021

M1

Ja

200.000 m³/a

188.189 m³/a

M2

Ja

 50.000 m³ /a

  46.557 m³/a

FB3

Nein

185.000 m³/a

138.769 m³/a

FB4

Nein

215.000 m³ /a

122.210 m³/a

Die Brunnen, die derzeit von Altmühltaler zur Mineralwassererzeugung genutzt werden, sind die Brunnen M1 und M2 mit einer Tiefe von 237m und 250m unter Geländeoberkante (GOK).

Die Wasserrechte für die derzeit genutzten Mineralwasserbrunnen enden am 28.02.2026.

Die Kosten für das Verfahren, die Bohrungen und Auswertungen trägt die Fa. Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH. Ein Wasserentnahmeentgelt wird in Bayern nicht erhoben.