Ein Gebäude in moderner Bauweise mit vier Ebenen. Dort ist das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen.

Klima-Landwirtschaft: Gemeinsam für Klima, Biodiversität und Region

Der Klimawandel betrifft uns alle und wird in unserem Alltag zunehmend spürbar. Umso wichtiger ist es, jetzt aktiv zu handeln – insbesondere in der Landwirtschaft. Denn sie ist nicht nur von den Folgen des Klimawandels unmittelbar betroffen, sondern bietet zugleich einen entscheidenden Hebel, um wirksame Maßnahmen für Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität umzusetzen. Mit dem Projekt „Klima-Landwirtschaft“, das 2022 im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vom Fachbereich Klimaschutz und der Wirtschaftsförderung der Zukunftsinitiative Altmühlfranken initiiert wurde, ist genau dies gelungen. Nach der dreijährigen Projektlaufzeit konnten die Projektpartner jetzt Bilanz ziehen und die fällt durchaus positiv aus, denn die Maßnahmen für Klimaschutz, Biodiversität und regionale Zusammenarbeit zeigen erste Effekte.

Von Juli 2022 bis Juni 2025 arbeiteten ansässige Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe und Kommunen im Landkreis Hand in Hand, um nachhaltige und zukunftsweisende Lösungen zu realisieren. Unter dem Motto „In der Region – für die Region“ konnten vielfältige Maßnahmen umgesetzt werden, die ökologische, landwirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile vereinen. Das Projekt Klima-Landwirtschaft verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz. Ergänzend zu Maßnahmen zum Humusaufbau und zur Förderung der Biodiversität liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Verbesserung des Wassermanagements in der Landschaft. Dieser Ansatz entspricht unmittelbar den Zielen des landkreisweiten Projekts „Klimaresilienz in Altmühlfranken“, dass die Ressource Wasser in den Mittelpunkt rückt. 

Zentrale Ziele von Klima-Landwirtschaft waren die Stärkung der Biodiversität als Grundlage für stabile und widerstandsfähige Ökosysteme sowie die Förderung des Humusaufbaus und -erhalts. Dadurch sollte die CO₂-Speicherfähigkeit der Böden erhöht und die Landwirtschaft langfristig besser an die Folgen des Klimawandels angepasst werden, indem die Fruchtbarkeit der Böden erhalten und gestärkt wird. Ein verbesserter Humusgehalt trägt zudem zu einer höheren Wasseraufnahme- und Speicherfähigkeit der Böden bei und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Wassermanagement und zur Reduzierung von Bodenerosion durch Wind- und Wasserabtrag.

Darüber hinaus lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Aufwertung der regionalen Landschaft. Durch gezielte ökologische Maßnahmen wie beispielsweise die Pflanzung und Pflege von Hecken und Obstbäumen, die Anlage von Blühwiesen und von Feldvogelstreifen, das Einbringen von Lesesteinen in die Landschaft, sowie weiteren Maßnahmen wurden neue und wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen sowie bestehende Lebensräume aufgewertet. 

„In der Landwirtschaft sind Kreislaufwirtschaft und ein nachhaltiger Umgang mit Böden und Natur von zentraler Bedeutung. Nur so können wir eine zukunftsfähige Landwirtschaft für kommende Generationen sichern und dies war eigentlich meine größte Intension, warum ich mich als Landwirt für das Projekt beworben habe“, betonte Landwirt Mattias Kirsch. 

Beteiligung und Zusammenarbeit
 Im Landkreis nahmen fünf landwirtschaftliche Betriebe, zehn Unternehmen sowie neun Kommunen – darunter auch der Landkreis selbst – aktiv am Projekt teil. Durch diese enge Zusammenarbeit entstand ein Netzwerk regionaler Akteure, das den Wissenstransfer, die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen und die Förderung der Biodiversität in der Region nachhaltig stärkt. Im Rahmen des Projekts übernahmen die beteiligten Unternehmen und Kommunen Patenschaften für landwirtschaftliche Flächen der teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte. Im Gegenzug wurden auf diesen Flächen gezielte Maßnahmen zum Humusaufbau und Humuserhalt sowie zur Förderung der Biodiversität umgesetzt, die individuell auf die jeweiligen Standorte abgestimmt waren.

„Für uns als W. L. Gore & Associates GmbH sind die Themen Nachhaltigkeit und CO₂-Bilanzen Reduktion von großer Bedeutung werden diese auch zukünftig sein, um unsere die Nachhaltigkeitsziele und die unserer Kunden zu erfüllen. Wichtig ist uns dabei, dass wir das Thema Nachhaltigkeit aktiv gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden leben. Umso schöner war es, im Rahmen des Projekts Klima-Landwirtschaft einen Mitarbeiteraktionstag umzusetzen und die Biodiversitätsmaßnahmen eines landwirtschaftlichen Betriebs tatkräftig zu unterstützen“, so Daniel Wörnlein der Umweltmanagementbeauftragte der Firma W. L. Gore & Associates GmbH.

Wissenschaftliche Begleitung und Nachhaltigkeit
Durch die wissenschaftliche und fachliche Begleitung der Maßnahmen durch die BayWa AG, den Landschaftspflegeverband Mittelfranken e. V. sowie das Fachzentrum für Energie und Landtechnik konnten allen Projektbeteiligten Nachhaltigkeitszertifikate ausgestellt werden. Diese bescheinigen und würdigen die unterstützten und umgesetzten Klima- und Umweltleistungen auf den landwirtschaftlichen Flächen. 

Die unabhängige Prüfung umfasste unter anderem Humusproben zu Beginn und am Ende des Projekts sowie eine Bewertung des Lebensraumzustands. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass der Humusgehalt trotz des vergleichsweise kurzen Projektzeitraums leicht gesteigert bzw. erhalten werden konnte. Zudem führten die angelegten Biotopstrukturen zu einer nachweisbaren Erhöhung der Biodiversität vor Ort. Gerade der Erhalt humusreicher Böden gewinnt im Zuge des Klimawandels zunehmend an Bedeutung, wie einschlägige Studien des Thünen-Instituts belegen.

Chancen für Region und Akteure
„Das Projekt eröffnete vielfältige Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen, Landwirte und Kommunen. So konnten regionale Maßnahmen zum Humusaufbau bzw. Humuserhalt und zur Förderung der Biodiversität gezielt unterstützt, Kooperationen zwischen den regionalen Akteuren gestärkt und ein eigenverantwortlicher Beitrag zum Klimaschutz sowie zur Klimaanpassung geleistet werden“, erläutert die Klimaschutzmanagerin Eva-Maria Raab. Das Projekt hat gezeigt, dass regionale Zusammenarbeit, wissenschaftliche Begleitung und gezielte Maßnahmen echte Erfolge bringen – für die Umwelt, für die Landwirtschaft und für die Region. 

Weiterführung des Projektes Klima-Landwirtschaft

Umso erfreulicher ist es, dass die BayWa AG, das Fachzentrum für Energie und Landtechnik an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Triesdorf sowie der Landschaftspflegeverband Mittelfranken e. V. ihre Zusage zur Weiterführung des Projekts „Klima-Landwirtschaft“ gegeben haben. Aus ihrer Sicht stellt das Projekt einen wichtigen Baustein zur Bewältigung des Klimawandels und seiner Folgen dar. Auch aus den Reihen der beteiligten Landwirtinnen und Landwirte, Kommunen und Unternehmen wurde deutlich, dass ein großes Interesse besteht, das Projekt im gleichen Rahmen fortzuführen. Sowohl landwirtschaftliche Betriebe als auch Unternehmen sind zunehmend gefordert, CO₂-Bilanzen zu erstellen. Genau hier setzt das Projekt „Klima-Landwirtschaft“ an und bietet praxisnahe Unterstützung, die direkt in der Region ankommt. 

„Auch wir als Landkreis begrüßen es sehr, dass die Möglichkeit einer Weiterführung des Projektes besteht und der Kreistag dieses bereits in das Natur- und Umweltprogramm aufgenommen hat. Aus Sicht des Landkreises ist das Projekt ‚Klima-Landwirtschaft‘ eine wichtige und sinnvolle Maßnahme, um die begonnenen Ansätze konsequent fortzuführen, weiterzuentwickeln und langfristig zu verstetigen. Eine Fortsetzung des Projektes kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, unsere Region Altmühlfranken insgesamt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und die regionale Klimaresilienz nachhaltig zu stärken“, so Landrat Manuel Westphal.

Weitere Informationen: 

Projektpaten:

Unternehmen: Gutmann Aluminium Draht GmbH, Gentherm GmbH, HP-T Höglmeier Polymer-Tech GmbH & Co. KG, Krause Präzisions-Kokillenguss GmbH, Oechsler AG, RF Plast GmbH, Sparkasse Mittelfranken-Süd, Verpa Folie Gunzenhausen GmbH, VR Bank im südlichen Franken eG und W. L. Gore & Associates GmbH

Kommunen: Markt Berolzheim, Stadt Ellingen, Stadt Gunzenhausen, Gemeinde Meinheim, Gemeinde Pfofeld, Gemeinde Solnhofen, Stadt Treuchtlingen, Große Kreisstadt Weißenburg i. Bay. und Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

 

Landwirte: Goppelt Agrar, Kirsch Mattias Landwirtschaft,

Biolandhof Röttenbacher, Philipp und Christopher Westphal GmbH

 

Wissenschaftliche und fachliche Begleitung: BayWa AG, Landschaftspflegeverband Mittelfranken e.V., Fachzentrum für Energie und Landtechnik (FEL) an den Landwirtschaftlichen Lehranstalt Triesdorf und der Zukunftsinitiative Altmühlfranken des Landkreises