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Pilotprojekt „Bibermönch“ im Möhrenbachtal bei Gundelsheim gestartet
Mit dem Pilotprojekt „Bibermönch“ wollen der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und die Stadt Treuchtlingen neue Wege gehen und damit ein gutes Miteinander von Mensch und Biber gewährleisten. Die nachhaltige Möglichkeit zur Wasserstandsregulierung soll einen dauerhaft stabilen Wasserstand im Biberrevier ermöglichen und somit Konflikte mit angrenzender Nutzung entschärfen. Ziel ist es, den Lebensraum des Bibers und die damit verbundene Artenvielfalt zu erhalten und gleichzeitig die berechtigten Interessen der Anlieger zu berücksichtigen.
Das gemeinsame Pilotprojekt des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen und der Stadt Treuchtlingen im Möhrenbachtal bei Gundelsheim wurde kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dem neuartigen System soll erprobt werden, wie der Wasserstand im Bereich eines Biberdamms dauerhaft reguliert werden kann, ohne den Lebensraum des Bibers zu beeinträchtigen.
Seit vielen Jahren hat der Biber am Möhrenbach bei Gundelsheim sein Revier. Durch seine Stau- und Bautätigkeiten verändert er das Gewässer und schafft wertvolle Strukturen und Lebensräume. Davon profitiert eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Gerade bei längeren Trockenperioden kann das Biberbiotop zudem Wasser in der Fläche zurückhalten.
Gleichzeitig können die Biberdämme aufgrund der angrenzenden Nutzungen zu Problemen führen. Insbesondere der wichtige, burgsichernde Hauptdamm muss bei höheren Wasserständen immer wieder geöffnet werden, etwa um die Passierbarkeit der nahegelegenen Furt über den Möhrenbach für die Angrenzer der Waldgrundstücke zu gewährleisten. Die dadurch entstehenden starken Schwankungen des Wasserstands können wiederum negative Auswirkungen auf die im Möhrenbach vorkommende Bachmuschel haben.
Hier setzt der sogenannte „Bibermönch“ an. Die aus Beton und Stahl gefertigte Konstruktion wurde im Landkreis Bamberg von Christoph Röckelein, Juniorchef der Kaspar Röckelein KG, und dem ehemaligen Biberberater des Landkreises Bamberg, Stephan Salzbrenner, entwickelt. Das Prinzip orientiert sich an einem klassischen Mönch, wie er etwa bei Fischweihern zur Regulierung des Wasserstands eingesetzt wird. Der Bibermönch schafft eine dauerhafte, vom Biber in der Regel nicht verschließbare Zwangsöffnung im Damm. Über variable Stauelemente kann der Wasserstand gezielt angepasst und damit eine unkontrollierte Überschwemmung verhindert werden.
„Der Biber gehört zu unserer heimischen Natur und leistet einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt. Gleichzeitig wissen wir, dass seine Bautätigkeit vor Ort auch Herausforderungen mit sich bringen kann. Mit diesem Pilotprojekt möchten wir zeigen, dass Naturschutz und die berechtigten Interessen der Menschen keine Gegensätze sein müssen“, betonte Landrat Markus Gläser bei der Vorstellung des Projektes.
Mit dem Pilotprojekt soll nun auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eine Alternative zu den häufig aufwendigen und für den Wasserhaushalt nachteiligen Räumungen von Biberdämmen erprobt werden. „Wir wollen dem Biber seinen Lebensraum lassen und zugleich dort regulierend eingreifen können, wo es aufgrund der örtlichen Gegebenheiten notwendig ist. Der Bibermönch bietet dafür einen vielversprechenden Ansatz, den wir nun unter den konkreten Bedingungen am Möhrenbach beobachten und bewerten können“, erklärte zudem Treuchtlingens Bürgermeisterin Dr. Dr. Kristina Becker.
Die Stadt Treuchtlingen ist Eigentümerin der Fläche und für die Unterhaltung des Möhrenbachs zuständig. Die Bauarbeiten wurden von der örtlichen Firma Meir aus Gundelsheim fachgerecht und mit besonderem Augenmerk auf die örtlichen Gegebenheiten umgesetzt. Die Stadt Treuchtlingen übernahm die Baukosten, während die Materialkosten für den Bibermönch und die verbauten Betonrohre durch die Untere Naturschutzbehörde aus Ersatzgeldern des Bayerischen Naturschutzfonds finanziert werden.
Der Bibermönch ist modular aufgebaut und kann je nach örtlicher Situation in Länge, Breite und Höhe angepasst werden. Staubretter und weiteres Zubehör lassen sich flexibel verändern, sodass Wasser kontrolliert zurückgehalten oder abgeführt werden kann. Neben Biberhabitaten eignet sich das System grundsätzlich auch für Feuchtbiotope, Regenrückhaltebecken und Retentionsflächen. Zu den weiteren Vorteilen zählen die robuste und frostbeständige Bauweise, geringe Unterhaltungskosten und die Möglichkeit, die Konstruktion bei Bedarf zu versetzen.
Das Pilotprojekt soll in den kommenden Jahren zeigen, ob sich mit dem Bibermönch ein dauerhaft stabiler Wasserstand erreichen lässt und dadurch sowohl der Biber und sein Lebensraum als auch die angrenzenden Nutzungen und die Gewässerökologie profitieren. Die Erfahrungen aus früheren Installationen, unter anderem im Landkreis Bamberg, bei denen der Bibermönch erfolgreich eingesetzt wurde, stimmen dabei aber sehr zuversichtlich. Ein zusätzlicher positiver Effekt kann die Schaffung von Retentionsraum und damit ein Beitrag zum Hochwasserschutz sein.
Auch der Bayerische Rundfunk (BR) war zum Start des Pilotprojektes im Möhrenbachtal dabei - den (Audio-)Artikel finden Sie hier.