Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
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Prävention

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Herr RauchTel.: 09141 902-415

Suchtprävention

Suchtprävention wurde lange Zeit mit Aufklärungskampagnen gleichgesetzt. Moderne Suchtprävention berücksichtigt, dass es keine Suchtpersönlichkeit gibt und Suchtverhalten aus einem komplexen Geflecht von Wirkfaktoren besteht.
Ziel von Suchtprävention ist es, Kinder sehr früh (ab Kindergartenalter) stark zu machen, sie zur Kritikfähigkeit in der Konsumgesellschaft zu erziehen, Kompetenzen zu fördern und Ressourcen zu erweitern.

Suchtprävention kann sinnvollerweise nur langfristig angelegt sein und wendet sich neben Kindern und Jugendlichen hauptsächlich an Multiplikatoren wie Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräfte und Eltern.
In der Suchtprävention unterscheiden wir 3 verschiedene Ansätze:

  • Primärprävention fängt bei den Gesunden an
  • Sekundärprävention setzt bei entstehenden oder schon entstandenen Problemen und Risikogruppen an
  • Tertiärprävention wendet sich an Kranke

Sucht bei Kindern und Jugendlichen durch gezielte Förderung vermeiden

Die Zahl der Drogentoten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Angst ist gewachsen, dass Kindern und Jugendlichen Drogen angeboten werden, dass sie in eine lebensbedrohliche Drogenszene abrutschen. Eine Angst, die ernst zu nehmen ist.

Der illegale Drogenmarkt und alle, die sich an ihm bereichern, müssen mit allen Mitteln bekämpft werden. Aber allein die Tatsache, dass es Drogen gibt, macht nicht süchtig. Zur Suchtentstehung gehören Angebot und Nachfrage.

Eltern und anderen Menschen, die täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, muss eine realistische Einschätzung der Situation ermöglicht werden. Dabei sollte klar werden, dass Sucht nicht nur dadurch verhindert wird, dass Kinder und Jugendliche nicht mit harten Drogen in Berührung kommen.

Sucht ist ein sich immer weiter steigerndes, zwanghaftes Verlangen nach bestimmten Substanzen, die Missempfindungen vorübergehend lindern oder andere positive Empfindungen auslösen. In der öffentlichen Diskussion wird Sucht oft nur mit dem Gebrauch illegaler Drogen in Zusammenhang gebracht. Andere Suchtmittel wie z.B. Alkohol, Tabak und Medikamente können einen süchtigen Menschen ebenfalls schwer schädigen.

Die Entwicklung von Suchtverhalten ist nicht nur eine Frage des Angebots, sondern auch der Nachfrage. Die Gründe, die zur Nachfrage von Suchtmitteln führen, sind vielfältig und kompliziert. Mangelnde Entwicklung von individuellen und sozialen Kompetenzen, fehlende Selbstsicherheit und unzureichendes Selbstbewusstsein, ein instabiles familiäres und soziales Umfeld, solche Faktoren können dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche süchtig werden.

Die Entstehungsbedingungen unterschiedlicher Süchte sind weitgehend gleich. Die Expertinnen und Experten kommen deshalb zu dem Schluss:

  • der Schwerpunkt primärpräventiver Arbeit muss im Vorfeld von Sucht- und Missbrauchsverhalten liegen
  • im Mittelpunkt stehen deshalb die Zielgruppen Kinder und Jugendliche
  • Suchtprävention muss umfassend angelegt sein.

Für diesen Ansatz sprechen auch Phänomene wie Politoxikomanie (Missbrauch mehrerer Suchtmittel gleichzeitig) oder Suchtverlagerung (ein Suchtmittel wird durch ein anderes ausgetauscht oder ersetzt).

Das heißt für die Suchtprävention: Es ist ebenso entscheidend, über einzelne Suchtstoffe aufzuklären, wie ursächliche Zusammenhänge, in denen Abhängigkeit entsteht, bewusst zu machen.

Weltweit besteht Übereinstimmung darin, dass repressive Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenproblems allein nicht ausreichen. Der Nationale Rauschgiftbekämpfungsplan geht deshalb von einem ausgewogenen Verhältnis zuwischen repressiven Maßnahmen zur Bekämpfung des Angebotes und vorbeugenden und helfenden Aktivitäten zur Reduzierung der Nachfrage nach allen Suchtmitteln aus.

Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen, die vor Missbrauchs- und Suchtverhalten schützen, müssen unterstützt und gefördert werden. Stichworte dazu sind:

  • Sinnerfüllung - Aktivitäten anregen, die sinngebend sind, wie zum Beispiel Betätigungen im musischen und sozialen Bereich, beim Naturschutz und im Sport.
  • Eigenverantwortung - Kinder und Jugendliche darin unterstützen, dass sie lernen, eigenverantwortlich zu entscheiden und zu handeln.
  • Eigenaktivität - Förderung von Handlungskompetenz, das heißt Überbrückung des Zwiespalts zwischen Wollen und vermeintlichem Nicht-Können.
  • Selbstachtung - Die Erfahrung, von anderen Menschen geachtet und in ihren Gefühlen und Bedürfnissen ernst genommen zu werden, ist entscheidend dafür, dass Kinder und Jugendliche lernen, sich selbst zu akzeptieren.
  • Erlebnisfähigkeit - Kindern helfen zu erkennen, welche eigenen Wünsche und Bedürfnisse sie haben und wie sie damit umgehen können.
  • Konfliktfähigkeit - Lernen, dass und wie sich Konflikte lösen lassen. Lernen, nein zu sagen, auch gegen Gruppendruck.
  • Selbsteinschätzung - Kindern und Jugendlichen geschützte Freiräume und Spielräume eröffnen, in denen sie ihre Kräfte und Fähigkeiten ausprobieren und erweitern können. Dadurch lernen sie, sich richtig einzuschätzen.
  • Frustrationstoleranz - Erfahrungen ermöglichen, die zeigen, dass der Weg zu Zielen oftmals langwierig und schwierig ist, dass es aber trotzdem wichtig ist, diese Ziele weiter zu verfolgen.

Quelle: BZGA


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