Artenschutz und Rohstoffgewinnung: Gemeinsam Lebensräume für seltene Amphibien schaffen

Schotter- und Steinwerk Weißenburg beteiligt sich am Projekt „Natur auf Zeit“

Mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zum Projekt „Management von Lebensräumen FFH-relevanter Amphibien in Rohstoffgewinnungsstätten“ bekräftigt die Schotter- und Steinwerk Weißenburg GmbH & Co. KG (SSW) ihr Engagement für den Artenschutz. Bei einem Ortstermin kamen Vertreter des Landratsamtes Weißenburg-Gunzenhausen, der Regierung von Mittelfranken, des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV) sowie des Unternehmens zusammen, um die weitere Zusammenarbeit offiziell einzuleiten.

An dem Termin nahmen Landrat Markus Gläser, Helen Sylvestre, Luisa Wörlein und Tobias Schuster (Auszubildender) von der Unteren Naturschutzbehörde, Günter Nisi von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken sowie Dr. Andreas von Lindeiner und Claudia Beckstein vom LBV teil. Das Unternehmen wurde durch Geschäftsführer Herrn Geiger und Mitarbeitende vertreten. Auch Oberbürgermeisterin Reichstadt begrüßte das Vorhaben und würdigte die Zusammenarbeit für den Artenschutz im Stadtgebiet. Als sichtbares Zeichen des Engagements wurde neben dem Firmeneingang das Schild „Bei uns ist der Frosch König“ angebracht.

Dass sich der Einsatz lohnt, zeigte sich bereits vor dem offiziellen Projektstart. Bei einer Begehung im Mai 2026 entdeckte der LBV in mehreren Kleingewässern auf dem Firmengelände zahlreiche Larven der Kreuzkröte. Es handelt sich um eines der wenigen bekannten Vorkommen dieser Art im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Auch die Gelbbauchunke, eine weitere Zielart des Projekts, könnte auf dem Gelände vorkommen.

Erste gemeinsame Maßnahmen wurden bereits vor der offiziellen Unterzeichnung in Begleitung von Claudia Beckstein vom LBV umgesetzt. Beim Ortstermin konnten die Kleingewässer besichtigt werden. Die Amphibien selbst waren nicht zu sehen, da sie sich aktuell in geeigneten Verstecken rund um die Mulden aufhalten.

Da die Artenvielfalt nicht an Grundstücksgrenzen haltmacht und sich einige Tiere auch auf städtischen Flächen finden, war Oberbürgermeisterin Reichstadt ebenfalls eingeladen.

Ziel des Projekts „Natur auf Zeit“ ist es, geeignete Lebensräume für gefährdete Amphibien zu erhalten oder rechtzeitig neue zu schaffen. Dafür werden Schutzmaßnahmen gemeinsam mit den Unternehmen und Behörden entwickelt und an die betrieblichen Abläufe angepasst. Obwohl die Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds inzwischen ausgelaufen ist, beginnt SSW die Zusammenarbeit mit dem LBV, der Höheren Naturschutzbehörde und dem Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen.

Vor rund zehn Jahren startete „Natur auf Zeit“ als damals außergewöhnliches Artenschutzprojekt in bayerischen Rohstoffgewinnungsbetrieben. Aus anfänglichen Vorbehalten aufseiten des Naturschutzes und der Industrie entwickelte sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das Projekt zeigt, dass wirtschaftliche Interessen und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen: Die Unternehmen gestalten ihre Rohstoffgewinnung auf freiwilliger Basis naturschutzfreundlich und werden dabei fachlich durch den LBV und die zuständigen Behörden begleitet.

Rohstoffgewinnungsstätten bieten durch ihre besonderen Standortbedingungen wichtige Ersatzlebensräume für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Insbesondere Amphibien profitieren von den dort entstehenden Kleingewässern und Rückzugsräumen, die andernorts – etwa durch den Verlust naturnaher Wildflussauen – selten geworden sind. Auch Vögel, Reptilien und Insekten finden in Gruben und Steinbrüchen geeignete Lebensbedingungen.

Der Ortstermin bei SSW unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit von regionaler Wirtschaft, Naturschutz und Verwaltung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Er zeigt, wie sich betriebliche Abläufe und wirksamer Artenschutz miteinander verbinden lassen.

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Bildunterschrift: Wirtschaft, Naturschutz und Verwaltung

Bildnachweis: Schotter- und Steinwerk Weißenburg GmbH & Co. KG